Wildwuchs aus der Stadt

Wer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander setzt stößt irgendwann auch mit dem Thema Ernährung zusammen. Dies ist ein Thema, mit dem sich schon jeder sein ganzes Leben auseinandersetzt, unbewusst oder nicht, denn im Durchschnitt konsumieren die deutschen Bundesbürger 500 kg Lebensmittel pro Jahr, ohne das Getränke dabei eingerechnet sind. Dies führt zu jährlich rund 1,75 Tonnen an klimarelevanten Treibhausgasemissionen pro Person nur durch den privaten Lebensmittelkonsum [Quelle Bundesministerium für Umwelt, Stand 2016]. Dass es aus ernährungsphysiologischer Sicht gesundheitsfördernd ist, sich abwechslungsreich zu ernähren und sich deshalb alle mit dem Thema Nahrung auseinander setzen sollte ist hoffentlich den Meisten bekannt. Es gibt also viele Gründe, warum man seine Essgewohnheiten reflektiert betrachten sollte.

Auch genau aus diesen Gründen wächst die Nachfrage nach ökologischer Landwirtschaft und regionalen Produkten. Doch ökologische Produkte sind meiste teurer und so mancher entscheidet sich dann doch wieder für die kostengünstige Variante. Bei regionalen Produkten ist es auch nicht immer einfach denn „Regional“ ist kein geschützter Begriff. Das kann dazu führen, dass ein Rohstoff eines Produktes importiert wird und weite Wege in die Stadt zurücklegt. Umso mehr man sich mehr und mehr mit dem Thema auseinandersetzt und die Wege nachzuvollziehen versucht kommt der Gedanke auf, wie schön es doch wäre, einfach rauszugehen und sein Essen frisch zu ernten doch genau das scheint in der Stadt undenkbar. Dies ist aber ein Trugschluss, denn grade um uns herum wachsen viele essbare Pflanzen die meist nicht als schmackhaft erkannt werden oder sogar als Unkraut angesehen werden. Dies passiert nur aus Unwissenheit, weil man entweder die Pflanze nicht richtig bestimmen kann oder eine mögliche Zubereitung nicht kennt. Ich möchte euch hier 3 Pflanzen vorstellen, die in der Stadt wachsen und als Zutaten verwendet werden können.

Ernte Hinweis

-Jede Pflanze, die wild geerntet wird, muss mit Sicherheit erkannt werden!

-Immer nur so viel ernten, dass der Weiterbestand nicht gefährdet ist!

-Immer gründlich Waschen!!!

Als erstes möchte ich das Augenmerk auf die Brennnessel lenken. Diese Pflanze ist überall in Deutschland anzutreffen auch in der Stadt. Mit dieser Pflanze hat bestimmt schon jeder seine schmerzhaften Erfahrungen gemacht, da die Oberfläche mit kleinen Brennhaaren versehen ist. Dass man aus ihr Tee und Suppe machen kann dürfte dem einen oder anderem bekannt sein, doch die wenigsten werden wissen wie diese Pflanze schmeckt. Sie schmeckt würzig und krautig und erinnert leicht an Spinat.

Die beste Erntezeit für Brennnesseln ist zwischen März und Mai in dieser Zeit können die Blätter und Stängel gekocht werden. Später, bis in den Juni hinein, kann diese Pflanze immer noch geerntet werden, es sollten aber dann nur die jungen Blätter gepflückt werden. Wie jeder sich denken kann sollten bei der Ernte Handschuhe getragen werden. Angst vor dem Stechen beim Essen muss niemand haben da diese beim Kochen verloren geht.


Als zweites Hopfen. Der lateinische Name ist Humulus Lupus und er wird hauptsächlich für das Bier Brauen verwendet. Dabei werden nur die Dolden verwendet und der Rest nicht verwertet. Doch grade die jungen Triebe des Hopfens werden in manchen Teilen Deutschlands als Delikatesse angesehen. Im März bis April wachsen die Triebe aus dem Boden. Im kommerziellen Hopfenanbau werden alle Triebe bis auf die 3-4 Stärksten weggeschnitten, um das Wachstum dieser zu fördern. Die restlichen Triebe können geerntet werden Zum Ernten eignet sich am besten die Zeit zwischen April und Mai. Die jungen Hopfentriebe ranken sich meist um die alten Ranken aus dem Vorjahr und können daran auch gut erkannt werden. Die Sprossen können roh gegessen werden sind aber gekocht schmackhafter. Der Geschmack erinnert an Spargel und kann bei den Spargelrezepten selbigen ersetzen.


Als letztes möchte ich den Blick auf die Bäume lenken. Das viele sehr nahrhafte Früchte wie Äpfel Kirschen, Birnen, Pflaumen usw. bieten ist bekannt. Doch zudem sind auch die meisten Blätter genießbar. Birken-, Buchen- und Lindenblätter gehören zu den Essbaren und sind in der Stadt aufzufinden. Hier bei sollte man darauf achten die jungen Blätter zu pflücken da diese besser schmecken. Ältere Blätter bilden Gerbstoffe aus, die dann einen bitteren Geschmack entwickeln. Die beste Zeit, um die jungen Blätter zu sammeln ist zwischen April und Juni .Aus den Jungen Blätter lassen sich hervorragend Salate oder (püriert mit Salz und Öl)Pestos machen.

Dass diese Pflanzen nur eine Nische in der Ernährung bilden können und es nicht realistisch ist sich davon komplett zu ernähren - und es noch utopischer wäre eine Stadt vom Wildwuchs zu ernähren -dürfte klar sein. Doch dieser Artikel ist mehr als Denkanstoß gedacht, sich mit dem Thema Natur, Ernährung und dem Ernten zu befassen, und ist hoffentlich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Möglicher Tipp, für alle die sich gerne noch weiter mit dem Thema beschäftigen wollen:

Buch: Essbare Stadt – Wildwuchs auf dem Teller, von Maurice Maggi, erschienen 2014 im atVerlag

Falls du wissen willst, wo Kräuter in deiner Nachbarschaft wachsen, schau auf Mundraub