Ein Thermostat ist kein Wasserhahn!

Ein Thermostat?! Natürlich weiß ich, wie der funktioniert! Je mehr ich ihn aufdrehe, desto schneller wird es warm. Es fließt schließlich mehr heißes Wasser durch meinen Heizkörper. Drehe ich ihn zu, fließt weniger Wasser und es wird kälter im Raum. Ganz einfach. Oder?

Thermostate (umgangssprachlich, eigentlich Thermostatventile) sind an den meisten Heizkörpern installiert und der Großteil von uns benutzen sie fast täglich. Zumindest in den Wintermonaten, wenn es draußen kalt ist und man es zu Hause schön warm haben möchte. Umso erstaunlicher ist es, dass die meisten Menschen Thermostate falsch bedienen, was nicht nur zu einem schlechteren Raumbefinden führen kann, sondern auch noch unnötige Energieverschwendung ist. Ein Thermostat funktioniert eben nicht wie ein Wasserhahn.

Wie funktioniert ein Thermostat wirklich?

Im Inneren des Thermostats befindet sich eine Flüssigkeit (oder ein gleich funktionierender Temperaturfühler), welche sich in Abhängigkeit der Raumtemperatur ausdehnt bzw. zusammenzieht und damit das Ventil öffnet oder schließt. Je nach dem, welcher Wert über den Griff eingestellt wird, desto später (also bei einer höheren Temperatur) schließt das Ventil. Die Zahlen auf dem Thermostat entsprechen also einer bestimmten Raumtemperatur und nicht der Durchflussmenge an Heizwasser.

Stufe 1: ca. 12 °C

Stufe 2: ca. 16 °C

Stufe 3: ca. 20 °C

Stufe 4: ca. 24 °C

Stufe 5: ca. 28 °C

Da die Flüssigkeit im Thermostat sich direkt neben dem Heizkörper befindet und dem Thermostat-Produzenten die räumlichen Gegebenheiten völlig unbekannt sind, handelt es sich bei den Angaben nur um ungefähre Werte. In einem großen Raum kann es in unmittelbarer Nähe des Heizkörpers schnell 20 °C sein, während es im restlichen Raum noch weniger sind. Aus diesem Grund sind auf den Thermostaten nur Zahlen gedruckt, statt die entsprechenden Temperaturen.

Auf welche Stufe muss ich den Thermostat stellen, wenn ich es schneller warm haben möchte?

Das spielt tatsächlich keine Rolle. Der Thermostat öffnet das Ventil so lange, bis die eingestellte Raumtemperatur erreicht ist. Das Ventil lässt sich nicht noch weiter öffnen.

Ein Thermostat verhält sich aber auch nicht binär. Die Flüssigkeit im Thermostat dehnt sich gleichmäßig aus und nicht sprunghaft. So wird das Ventil bei 19,9 °C nicht vollständig geöffnet sein, um dann bei 20,0 °C schlagartig zu schließen. Dieses sanfte Regelverhalten macht das schnelle Hochheizen zwar etwas langsamer, ist im Alltag aber vernachlässigbar.

Was hat das nun mit Energieverschwendung zu tun?

Anwendungsfall unwissender Mensch: Er kommt nach Hause und stellt die Heizung auf Stufe 5, weil er es schnell warm haben möchte. Anschließend beschäftigt er sich mit anderen Dingen und die Heizung erwärmt nach und nach das Zimmer. Immer weiter und weiter. Irgendwann wird dem unwissenden Menschen zu warm. Er dreht die Heizung runter und öffnet das Fenster. Die überschüssige Wärme ist unnötigerweise verloren. Er fühlt sich nicht wohl. Ständig ist ihm zu kalt und dann wieder zu warm…

Anwendungsfall wissender Mensch: Er kommt nach Hause und stellt die Heizung auf Stufe 3, weil er es schnell warm haben möchte. Anschließend beschäftigt er sich mit anderen Dingen und die Heizung erwärmt nach und nach das Zimmer. Immer weiter und weiter. Irgendwann ist die eingestellte Raumtemperatur erreicht und das Thermostat schließt sich. Ab und zu wird etwas heißes Wasser in den Heizkörper gelassen, damit die Raumtemperatur konstant bleibt. Der wissende Mensch fühlt sich wohl und verbraucht nur so viel Wärme, wie er benötigt…

Die Aufgabe eines Thermostates ist es die Raumtemperatur zu regeln. Dies kann er besser als jeder Mensch, der nicht ununterbrochen die Raumtemperatur überprüft.

Doch nicht nur durch das Öffnen von Fenstern geht unnötig Wärme verloren. Je größer die Temperaturdifferenz zwischen meinem Raum und der Außenwelt ist, je mehr Wärme geht verloren, auch bei geschlossenen Fenstern und Türen. Von daher ist es besser für die Umwelt (und den eigenen Geldbeutel) im Winter drinnen einfach einen Pullover anzuziehen und den Thermostat nur auf die wirklich benötigte Raumtemperatur zustellen, als wegen falscher Bedienung im T-Shirt rumzusitzen.